Freitag, 22. August 2014

Doppelrezension zu Sannah und Ham

Hey meine Lieben,
im Rahmen der Carlsen-Bloggeraktion haben wir beide (ich und Diana von Gwees Bücherwelt)  das Buch Sannah und Ham vom ChickenHouseVerlag gelesen und hier ist unsere Doppelrezension.






Dianas Meinung in Blau                     Meine Meinung in Violett




Meine Meinung:

Das Buch an sich: Ich mag die Aufmachung des Buches sehr. Ungewöhnlich ist, dass das Impressum ganz hinten im Buch ist, aber das finde ich nicht schlimm. So muss man nicht ewig Blättern bis das Buch auch wirklich beginnt. Zum anderen ist es eine Klappbroschur und die mag ich sowieso sehr gerne, besonders, weil der Umschlag dadurch dicker ist.
Das Foto auf dem Cover finde ich auch ganz niedlich, auch wenn das Mädchen nicht die gleiche Haarfarbe hat wie Hannah.
Das Buch ist sehr speziell aufgebaut. Hannahs und Sams Sicht sind beide voneinander versetzt. Hannah steht links, Sam rechts, das heißt es gibt immer einen größeren Rand auf der linken oder rechten Seite. Praktisch daran ist, dass die Zeilen nicht so lang sind und es den Lesefluss erheblich verbessert. Und außerdem merkt man so immer aktiv, wenn die Perspektive wechselt.




Handlung:



Die Handlung ist so alltäglich, dass ich mich manchmal in die beiden sehr gut hineinversetzen konnte.
Genau genommen geht es um Liebe, Freundschaft und das Leben an und für sich. Es ist oft witzig, aber manchmal würde man das Buch auch am Liebsten in die Ecke werfen, weil alles mal wieder schief läuft – oder man selbst es einfach so gar nicht nachvollziehen kann.
Und so schlittern Hannah & Sam durch die aber witzigsten Ereignisse, mal lustig, mal traurig. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich bei einem Buch das letzte Mal so gelacht habe – ich glaube einmal konnte ich fünf Minuten lang nicht mehr aufhören – oder mit gebrüllt, dass es doch nicht sein könne, dass schon wieder alles schief geht. Normalerweise lese ich solche Arten von Büchern gar nicht. Zugegeben, ich persönlich war nie so ein Mädchen wie Hannah, Stella, Tilly und Grace, aber das heißt nicht, dass man diese Sorgen, die die vier haben, nicht auch irgendwie kennt.
Generell ist die Thematik einfach sehr natürlich und auf dem Boden geblieben. Natürlich gibt es auch Punkte, die ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Da werden teilweise Dinge aufgeworfen, die dann plötzlich schnell abgehandelt werden.
Und die Charaktere bekommen ihren Mund einfach nicht auf. Auch sehr schade ist, dass das Thema Liebe in der Kurzbeschreibung so in den Vordergrund gestellt wird, aber eigentlich sehen sich Hannah und Sam nur sehr selten und dann passiert irgendwie auch nichts so richtig, nur der Anfang hat es in der Hinsicht in sich.
Ab dem Urlaub der beiden Protagonisten geht das Buch langsam den Bach hinunter. Ich hab den Sinn gar nicht verstanden. Im Endeffekt war er irgendwie sinnlos. Und eher ein Lückenfüller.


Der Handlungsverlauf ist klar und einfach. Es passieren keine besonderen Wendungen oder Überraschungen. Es ist ein ganz normaler Abschlusssommer im Leben zweier Teenager. Prüfungsbammel, Abschlusspartys, Urlaub mit den Freunden in Griechenland oder mit den Eltern auf einer natürlich sterbenslangweiligen Insel, danach wieder jede Menge Partys und Dates und nervige Eltern.
Für mich bedient sich das Buch sehr vieler Klischees und es war nichts Wirklich neues dabei.
Am Anfang fand ich die Handlung noch sehr schön. Sie wird durch witzige Dialoge begleitet, die mich oftmals auch lauthals zum Lachen brachten, dann gab es aber wieder eher langatmige Momente, wo ich mich fragte, welchen Sinn hat diese Seite jetzt im Gesamtkontext?
Für mich ist Sannah und Ham gar keine reine Liebesgeschichte, denn die beiden Hauptprotagonisten treffen nicht sehr oft aufeinander und haben sich auch dann nicht viel zu sagen. Ihr sagenhaftes erstes Treffen war noch das Beste.
Es ist mehr ein Buch über ein Mädchen und einen Jungen mit sehr vielen Minderwertigkeitskomplexen, die schüchtern sind, sich alles gefallen lassen und versuchen im Strom mit zu schwimmen, und nie auch nur in Erwähnung ziehen, die Richtung zu wechseln und ein Individuum zu werden.
Beide wünschen sich wie andere zu sein, wie die breite Masse, das Gleiche zu erleben und zu fühlen. Im Laufe des Sommers entdecken sie sich beide selbst, jeder auf seine eigene Art und Weise, lernen mit ihren Gefühlen und dem Erwachsenwerden klar zu kommen, lernen ihre Freunde und sich selbst besser kennen, ehe sie beide einen gemeinsamen recht holprigen Weg einschlagen.






Charaktere:
 
Ich konnte mich leider nicht sehr gut in die Protagonisten hereinsetzen. Hannah ist schüchtern, wunderhübsch mit langen blonden Haaren und blauen Augen, hält sich selbst aber für hässlich und unattraktiv. Sie stellt ihr Licht selbst hinter den Scheffel und rückt freiwillig in den Schatten ihrer besten Freundin Stella.
Ich konnte ihre Handlungen leider nicht nachvollziehen. Sie lässt Stella alles bestimmen und ärgert sich im Stillen darüber - es gab so einige Momente, da habe ich ihre Freundin gehasst für ihre Art und Weise andere runter zu machen, Hannah zu quälen und es auch noch als süß und liebevoll zu betiteln.
Stella ist eine Heuchlerin, egoistisch und nur lieb zu anderen, wenn sie gerade Lust drauf hat. Und Hannah weiß es. Sie möchte am liebsten Stella von ihrer Freundinnenliste schubsen, aber dann gibt sie doch wieder auf, verzeiht ihr. Sie hat keinen sehr starken Charakter. Andrerseits ist sie intelligent und süß und albern und macht gerne verrückte Dinge mit, sie verkleidet sich, ist weder ängstlich noch wasserscheu und ist durchaus ein sehr aufgeschlossener Mensch, wenn sie sich nicht ständig einreden würde, dass sie langweilig sei.
 
Sam ist vom Typus Hannah in männlicher Form. Er hängt mit Jungs ab, die ganz und gar nicht zu seinem Niveau passen und möchte um jeden Preis endlich ein Mann werden indem er seine Jungfräulichkeit verliert. Dabei stellt er sich so unbeholfen an, dass es fast schon wieder lustig ist, wenn ich es nicht so traurig fände, dass er sich selbst so kaputt damit macht.
Er ist ein lustiger Typ, der es nur nicht immer offen zeigt. Für mich kam er sehr willenlos rüber, als hätte er kein klares Ziel vor Augen, außer sein Wunsch an die University Cambridge zu gehen. Er knutscht mit wildfremden Mädchen, weil es alle machen und steigert sich schnell in eine erfundene Eifersucht hinein.
 
Die anderen Nebencharaktere fand ich leider mehr blass und lieblos. Von Hannahs besten Freundinnen Stella, Grace und Tilly wusste ich am Ende eigentlich nur über Stella Bescheid. Am Ende muss ich sagen, hat sie mir als bösartigen liebeshungrigen Charakter am besten Gefallen. Sie hat ihre Gründe warum sie so geworden ist wie sie ist und sie tat mir manchmal Leid, da sie ganz eindeutig nach der Aufmerksamkeit und Bewunderung hechelt, die sie im Elternhaus nicht bekommt.
Grace erschien mir ein bisschen unsicher, aber nett, die auch Geheimnisse bewahren kann und nicht alles an die große Glocke hängt, aber zu Tilly kann ich eigentlich gar nichts sagen.
Sams Freunde sind eine spur besser. Robin und Chris. Robin mochte ich. Er war wie ein kleines Mädchen, aufgeregt, ständig im aktuellen Klatsch und Tratsch verwickelt - es war sehr amüsant die Dialoge mit ihm zu lesen.
Pax und Casper von einem Urlaubsflirt fand ich ebenfalls besser geschliffen, als die Hauptcharaktere. Pax, das ewige Riesenbaby mit keinem eigenen Willen und Casper mein persönlicher Held. Der perfekte Kumpel. Ich mochte ihn wirklich sehr.
 
Mein Lieblingscharakter ist Hannahs Oma. Sie ist mir mit ihrer flippigen, aber herzlichen Art richtig ans Herz gewachsen. Sie ist wirklich die Beste und diesmal nicht aus dem Klischee gegriffen, sondern eine ganz eigene individuelle Persönlichkeit.
 
 
Die Charaktere wirken überwiegend glaubwürdig, wenn auch nicht alle – aber das vermutlich eher von den Autoren gewollt – unbedingt sympathisch. Hannah und Sam sind beide Charaktere, in die sich der Leser gut hineinversetzen kann. Sie stehen beide nicht gerade im Mittelpunkt und sind auch eher Bücherwürmer. Das kommt zwar im Buch nur am Rande tatsächlich mal durch, aber man merkt einfach, dass sie nicht so auf Party machen stehen wie die anderen und dass sie...ja, eher auf dem Boden geblieben sind. Auf jeden Fall gab es kein unnötiges Gejammer und selbst die Schwärmereien, die ihnen durch den Kopf gehen, sind gar nicht übertrieben. Allerdings verhalten sie sich manchmal – besonders Hannah – etwas seltsam und wie oben schon erwähnt, ist die Kommunikation im Buch quasi nicht vorhanden. Die Leute reden einfach nicht miteinander, obwohl das die meisten Probleme sofort lösen könnte – und damit meine ich wirklich winzige Probleme.
Viele Charaktere bleiben auch eher blass und im Nachhinein hätte man den einen oder anderen auch streichen können. So richtig gemocht habe ich eigentlich niemanden, dass ich ihn ins Herz schließen konnte.
Hannah lässt alles mit sich machen, Sam ist ein absoluter Mitläufer, Stella ist unausstehlich, Robin erzählt nur Schwachsinn und die meisten anderen Charaktere haben einfach keine Substanz. Gerade weil nur diese vier  Charaktere häufig vorkommen, erfährt man nicht viel über die anderen, obwohl da mit Sicherheit Potenzial gewesen wäre.
 
 

Schreibstil:
 
Der Schreibstil war locker. Und auch nicht zu sehr in der Jugendsprache verhaftet, aber genug, dass es nicht zu erwachsen wirkt. Die beiden Autoren harmonieren auch sehr gut miteinander. Man hat jetzt nicht das Gefühl, das man ein völlig anderes Buch liest, sobald die Perspektiven gewechselt werden. Die Trennung der Wörter ist manchmal etwas nervig, was durch den zusammengepressten Textblock leider einfach nicht anders geht. Manchmal war ich wegen der verwendeten Begriffe auch etwas schockiert, aber das passt natürlich super zu Jugendlichen.
Dennoch hatte ich gar nicht damit gerechnet und das war erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig für mich – besonders weil selbst Hannah und Sam, die ich eigentlich für etwas kultivierter hielt, ziemlich unartige Begriffe in den Mund nehmen.
 
Der Schreibstil ist eindeutig für Jugendliche. Der Einfallsreichtum lässt zu Wünschen übrig und pendelt immer mal wieder zwischen Bitch und Ficken hin und her. So etwas mag ich nicht und lese ich auch nicht gern. Es hält sich noch in Grenzen, aber dennoch gibt es auch Kreise im Jugendalter, die sich noch mehr Wörter bedienen als Bitch.
Selbst Hannah hat in diesem Slang gesprochen, was ich für ein Mädchen mit ihrem Intellektuell nicht sehr passend fand. Schade eigentlich. Da hätten die Autoren mehr herausholen können.



 

Spannungsentwicklung:
 
Am Anfang fand ich das Buch klasse. Es hat zwar keine große Spannung und die Liebesgeschichte zwischen Hannah und Sam plätschert mehr schlecht als recht vor sich hin, aber es brachte mich in den aus dem Leben gegriffenen Dialogen oft zum Lachen. Es war nicht nur ein Schmunzeln, sondern wirklich offen, laut und echt und das hat mir sehr gut gefallen.

Leider flacht es zum Ende des Buches immer mehr ab, sodass auch der Humor sich schließlich verliert und ich das Buch eigentlich nur noch gelesen habe, weil ich wissen wollte, ob das jetzt zwischen Hannah und Sam noch etwas wird oder nicht.
Das Ende hat mir gar nicht gefallen. Es ist nicht das große Happy End, wie erwartet, aber genau das was alle wollten. Es ist ein bisschen ernüchternd, dass Hannah nun endlich ihren "Hummer" gefunden hat und dann geht die letzte Seite still und leise dahin und ich dachte mir nur: Was, das soll das Ende gewesen sein?


Lesespaß:
 
Im Großen und Ganzen fand ich das Buch in Ordnung. Ich bin doch etwas skeptisch herangegangen. Leider hält der Anfang des Buches nicht sein Versprechen. Wäre das Buch so gut wie noch am Anfang, wäre es mit Sicherheit richtig gut geworden, die emotionale Ebene hat meiner Meinung nach auch gepasst, aber irgendwie läuft alles auf nichts hinaus und am Ende ist man nur enttäuscht. Der Leser erlebt einen ganzen Sommer mit Hannah und Sam und zurück bleibt nur ein bitterer Nachgeschmack, weil es kein richtiges Happy End gibt. Und noch dazu sind Hannah und Stella am Ende wieder Freundinnen und ich bin mir nicht sicher, ob das Hannahs Stärke oder Schwäche zeigt. Ich hatte schon Spaß beim Lesen, aber der wurde mit der Zeit durch Unverständnis ersetzt. Ich bin selbst ein schüchterner Typ Mensch, aber ich würde mich niemals so durch die Gegend schieben lassen. Manche Dinge gehen dann auch einfach unter und bleiben im Gesamtkontext völlig unbedeutend. Da hätte man so viel mehr draus machen können.
 
 
 

Fazit:
 
Mir hat das Buch an sich ganz gut gefallen, allerdings bin ich enttäuscht. Ich hatte mir mehr erhofft und etwas Größeres erwartet, nachdem das Buch überall so hochgeschaukelt wurde und auch der Klappentext sehr viel versprechend klang.
Ich konnte viel Lachen, aber es gab auch Seiten, die ich überflogen habe, weil einfach nichts passierte!
Die Grundidee ist sehr schön, aber ich habe die Logik vergeblich gesucht und hätten die Autoren an der einen oder anderen Stelle vielleicht einen anderen Weg eingeschlagen, dann hätte es mir vielleicht besser gefallen. Schade.
Ich gebe dem Buch drei Sterne.

 
Es ist ein gutes Buch. Jeder, der Bücher mit besonderer Fixierung auf das Thema Freundschaft und einer Prise Liebe mag, aber nichts tiefgründiges will, kann hier beherzt zugreifen. Es ist witzig und sensibel und ganz anders als man erwartet, sowohl positiv als auch negativ.
 
 
 
Gesamt: 3/5   und   3/5
Inhalt: 3/5   und  3/5
Charaktere: 3/5 und  4/5 
Lesespaß: 3/5  und  3/5
Gestaltung: 4/5  und 4/5
Schreibstil: 3/5  und  2/5
Preis/Leistung: 3/5   und  2/5
 

 
 
Vielen Dank nochmal an Diana. Es hat echt Spaß gemacht, mich mit dir auszutauschen, zumal wir beide auch ungefair die gleiche Meinung zu diesem Exemplar haben. :-)
 
<3 Fiorella







Kommentare:

  1. Hallöchen Fiorella :)
    Aus irgendeinem Grund kann ich schon seit längerem deine Kommentare auf meiner Seite nicht mehr beantworten :( Keine Ahnung wieso. Bei den anderen geht es, nur bei dir nicht.. :/

    Aber ich teile deine Meinung im großen und ganzen. Das Buch wurde sehr gepusht, vor allem auch noch nachdem ich es schon gelesen hatte und ich kann es eben auch nicht richtig nachvollziehen und war etwas enttäuscht. :(

    Schöne Rezi und sehr ausführlich :)

    Liebe Grüße

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    1. Huch, wie kommt denn das? Also du hast ja deine Kommentarfunktion verändert. Jetzt ist das doch mit Googleplus verbunden....aber naja, so ist doch auch ganz schön :-)
      Danke, Süße,
      wenn ich andere Rezensionen lese, teilen wir aber alle in irgendeiner Art und Weise die gleiche Meinung.

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